Aller guten Dinge sind 3.

Aberglaube hin oder her, ich glaube an so Sachen wie Bestimmung und Schicksal. Ich brauchte 3 Monate um wirklich meine ganzen Gedanken nieder zu bringen. Der Schwung an Wortgefühlen kommt jetzt. Taschentücher sind wie immer von Vorteil, folgende Zeilen beinhalten nämlich eine große Ladung an Emotionen.

I know I don’t let you see
but you mean the world to me
and I know that I can be pretty mean
but you mean the world to me…

Freya Ridings – You mean the world to me

Genau 3 Monate ist es nun her. Mir ist durchaus bewusst, dass sich manche sicherlich ein anderes Thema wünschen als unseren Umzug und unser neues Leben außerhalb der Berge. Verständlich. Ich konnte es selbst zwischenzeitlich nicht mehr hören. Mochte nicht mehr gefragt werden wie es mir geht, jaja ich weiß, dass es jeder nur gut meint, doch es war anstrengend und grenzte für mich schon an leichte Körperverletzung. Was allerdings der härteste Part war, wurde mir selbst erst vor 2 Tagen klar, dass ich irgendwie vor lauter Herumgewusel und Dauerstress vergessen habe traurig zu sein. Ich hatte förmlich Angst meine Emotionen einfach laufen zu lassen. Zu Weinen. Zu Vermissen. Ich hatte Furcht, dass dann ein großes Loch in mir sei und ich nicht mal mit Klettererfahrung wieder rauskommen würde. Ich schob es so vor mich hin. Genau deshalb geschah hier rein… nichts. Meine Gedanken, die immer noch wirr sind, werden sie zu einem gewissen Grad auch immer sein, kreativ chaotisch eben, niederzuschreiben erschien mir als schmerzhaft. Darum habe ich es gleich sein lassen. Okay, ist auch gelogen. Ich hatte schon einen Post geschrieben. Am Vormittag als meine Eltern nach deren ersten Besuch wieder in die Heimat gefahren sind, da weinte ich bitterlich. Mein Online Tagebuch erschien mir eine tolle Idee meine Trauer zu verarbeiten. Geschrieben, Korrektur gelesen und nie veröffentlich. Ich konnte nicht. Wollte auch gar nicht. Ich bin der Meinung, dass jetzt, genau nach 3 Monaten, es Zeit ist euch das lesen zu lassen und so unter uns, ich konnte es seitdem selbst nicht wieder lesen. Musste nun lächeln und weinen. Ich sah mich sitzen und hab mich quasi selbst umarmt, weil ich mich sah auch danach wie ich mit Situationen anders umging und war stolz. Doch lest selbst….

Ein Monat voller Liebe.

Oder auch ein Monat voller Höhen und Tiefen. Wo ein Tränenmeer auf eine wilde Achterbahn der Gefühle trifft und gleichzeitig mir ein lautes Lachen auskommt. Mein Monat in der neuen Heimat.

Mittlerweile sind auch schon etwas mehr als ein Monat vergangen. Manchmal frage ich mich selbst, wie geht es dir? Wie erging es dir? Die Gedanken fahren eine eigene Art Rennen in meinem Kopf. Damit habe ich schon anfangs gerechnet, dass sowas kommen wird. Die schöne Hirnwixxerei, wer kennt es nicht? Wo man einfach nicht aufhören kann alles zu zerdenken? War es die richtige Entscheidung? Mache ich das Richtige? Gibt es überhaupt sowas wie richtig und falsch? Eigentlich wollte ich euch als Erstes unsere Wohnung zeigen, jeden Raum und eine Roomtoiur so mit cooler Musik und dem ganzen Firlefanz… Und kam der Tag an dem meine Eltern hier ankamen. Das brachte mein Herz so wild zum Hüpfen vor Freude, Aufregung und Liebe. Bei einem bin ich mir ganz genau sicher, dass die Liebe zu seinen Eltern mit unter die stärkste Liebe ist die man Empfinden kann, zumindest ich. Die Liebe zum eigenen Kind nehme ich mal außen vor. Ja und was ist mit der Liebe zum Partner? Das ist wieder was ganz anderes, intensives. Wo ich mir immer wieder sage:

‚Du hast nur aus dem Bauch und dem Herzen raus entschieden für ihn das Land zu wechseln!‘

Also dafür braucht es meines Erachtens nicht mehr Worte. Ich bin nach wie vor sicher, dass es eine schöne Entscheidung war. Auch wenn ich gerade hier sitze und ständig meine Augen trocken legen muss. Warum? Ich hatte schon eine Woche bevor wir Besuch bekamen an den Moment gedacht, wenn die Beiden wieder fahren werden. Da kam so ein Kloss im Hals, der hat sich festgesetzt und wollte nicht mehr weg. Ich war schlichtweg unausstehlich. Was dazu kam, dass ich aus der Kategorie ‚Alles-auf-einmal-und-ja-nicht-warten-müssen‘ bin und die Anfangszeit so sehr interessant gemacht hat. Was fast alle in meinen Stories sehen eine Anna die happy ist und gerne arbeitet, einrichtet, zeichnet und für jeglichen Blödsinn zu haben ist. Was nur meine zwei Männer oder das nahe Umfeld sieht, eine Anna die weint, weil sie sehr ergriffen von den Menschen ist die sie so lieben wie sie ist. Eine Anna die das zwar mit offenen Armen annimmt und doch schwer begreifen und greifen kann. Eine Anna die oft auch sehr gemein sein kann, weil sie nicht weiß wohin mit ihren Emotionen. Eine Anna die sich solche Sorgen über jeden kleinen Pups macht, sei es auch nur die falsche Entscheidung bei der Essenswahl. Eine Anna die ihre Eltern so sehr liebt und manchmal so sehr vermisst, dass sie nicht weiß wohin mit ihr. Dann gibt es auch wieder die Anna die das Alles bemerkt und sich selbst bewusst macht wie schön das Leben doch wieder ist und zwar durch die Entscheidung den Wohnort zu wechseln die Entfernung zu Mama und Papa weit geworden ist, jedoch die Beiden immer im Herzen sind. Egal wo sie lebt. Mag zwar als schwache Einsicht wirken, allerdings sehe ich es als strake große Sichtweise. Für mich bedeutet sie ziemlich viel. Würde ich nur in dem Negativen verharren, dann würde mich mein Daniel wahrscheinlich schnell wieder zurückschicken müssen. Ohne Absender.

‚Ich bewundere dich, dass du das so schnell entschieden hast, ich könnte das nicht!‘ – Mama

Tatsächlich habe ich mir das selbst schon hunderte Male selbst gesagt. Ja, ich bewundere mich für diesen gigantischen Schritt. Gigantisch ist ab und zu noch untertrieben. Das was ich dabei fühle kann ich hier gar nicht niederschreiben. Das ist einfach groß. Apropos groß. Ich wollte euch noch von den wirklichen letzten Wochen erzählen. Da fällt mir ein riesiges Ereignis ein, passt einfach zu Realtalk. Wir wollten vor ca. 3 Wochen nach Göttingen zum Streetfood Festival. Es war ein Sonntag, sonnig und einfach schön. Leider hatten wir, gut eher ich, in einem Anflug von Übermut beschlossen noch was für die Wohnung zu machen. Ist ja nicht so, dass sich davor jede freie Minute darum gedreht hat. Müde, fertig und vor allem hungrig stiegen wir so vor 14 Uhr ins Auto. Wegen mir und meinem tollen Talent ein Navi richtig zu bedienen, oder auch eine Adresse zu finden, sind wir erstmal am falschen Gelände gelandet. Die Stimmung? Ja die war da schon am Höhepunkt, nicht. Ich werde ja zum Tier wenn ich Hunger habe. Hab ich schon erwähnt, dass wir viel zu warm für diesen Tag angezogen waren und ziemlich geschwitzt haben? Naja, auf alle Fälle kamen wir mit viel Verspätung am Festival an. Dort, oh jetzt kommt das Beste, wurde uns klar, dass wir nicht genug Bargeld mit haben. Streetfood Festival nix da mit Kartenzahlung. Es wurde brenzlig mit dem allgemeinen Gemütszustand. Dazu kam nämlich der Oberhammer, mein Blutzucker war niedrig und das war der Supergau. Ich hab mich maßlos aufgeregt und geschimpft hab ich und mich geärgert. Halleluja. Speziell über mich selbst und wer durfte es ausbaden? Richtig. Daniel. Nach 30min des Wartens und wieder Beruhigen inklusive der Suche nach einem Geldautomaten kamen wir zu Essen. Die Laune? Sehe ich Essen oder rieche Essen ist meine kleine Welt wieder in Ordnung. Also prinzipiell nicht so schwierig, manchmal ist nur der Weg dorthin aufregend, anstrengend und voller Gefahren. Mordor ist dagegen lächerlich.

Solche Erlebnisse sind ja in dem Ausmaß zum Glück auf einer Hand abzuzählen, wenn überhaupt. Alles andere wäre auch echt krass. Doch was ich damit sagen will. Es war nicht immer schön wie auf meinen Profil sonst so zu sehen ist, ganz und gar nicht. Was vielleicht schon zutrifft, dass es zu 90% immer aufgeräumt ist, klar liegt dort und da was rum was wo anders hin gehören würde. Tatsächlich ist es aber die meiste Zeit so, dass man Besuch empfangen kann. Bei mir war es nicht Imme rso. Wenn ich da an meine Schulzeit denke, ich hatte die Ehre oder auch die Möglichkeit, wo ich mit 16 Jahren schon in einer eigenen kleinen Wohnung sein konnte. Ohne meine Eltern wäre das niemals möglich gewesen, ja die sind schon die besten Eltern die ich mir nur wünschen kann. Mir fehlte es an nichts vor allem nicht an Liebe, das ist bios heute noch so und das ach das… macht meine Augen schon wieder feucht. Ich schweife allerdings schon wieder ab. Meine erste Wohnung sah grundsätzlich die meiste Zeit eher wie nach einem Bombenanschlag aus. Die Bombe bestand aus Schulunterlagen, Geschirr und eine Mischung aus sauberer und schmutziger Kleidung. Ein Weg von Küche bis Bett blieb immer frei, so 20cm breit. Wirkich wahr, muss heute noch schmunzeln wenn ich daran denke. Hat doch jeder seine Jugendsünden oder nicht?

13 Jahre später. Anderes Land eine viel größere Wohnung. Ein neues Heim. Ein neues Zuhause. Ein neuer Anfang. Bin ich Mama eines ziemlich süßen Mr Sunshines, Freund von einem Mann der mich ziemlich sehr liebt und ich ihn auch vielleicht sogar noch mehr als er mich und Tochter zwei Menschen die neben meinen Männern alles für mich bedeuten und es immer werden. Ich hatte solch eine Angst vor dem heutigen Tag. Das Auto wegfahren zu sehen, was werde ich fühlen, wie wird es mir ergehen? Schaffe ich das? Oder laufe ich hinterher? Ich musste lächeln, zwar kamen mir sofort die Tränen als sie nach links abgebogen sind doch wir sehen sie bald wieder. Ganz bald und hier sind sie immer, jeder Zeit. Ein Mensch den man so wie er ist bedingungslos liebt ist nie wirklich weg. Vielleicht nur körperlich, doch im Herzen sind die dort. Ist die Vermessung allerdings so groß, dann muss das Telefon herhalten und dann kommt ein:

‚Ja haaaalllo, na, wie geht’s?‘

Und das Lächeln durchs Telefon zu hören und in Gedanken sehen zu können, bedeutet mir alles! Wer jetzt nicht Lust bekommen hat seine Eltern zu Umarmen oder anzurufen, dann weiß ich auch nicht. Ich mache Zweites jetzt und lass euch Liebe da, denn…

Hach ja, es tut gut meinen Gefühlen freien Lauf zu lassen. Ich habe in den letzten Tagen geweint, viel geweint und war sehr traurig. Tränen über Tränen mussten einfach raus. Da war so viel an neuen Erlebnissen, das ich oft Mals kaum verarbeiten konnte.Sehnte mich stinklangweiligen Tagen. Die Ironie daran war aber immer, gerade ich konnte und wollte nicht zur Ruhe kommen. Die Weihnachtszeit, erste Besuche und vor allem Weihnachten das erste Mal ohne meine Familie. Sicher könnte ich nun sagen, ich war traurig, war ich auch im tiefsten Inneren. Was ich jedoch als sehr wichtig empfinde, dass ich trotz diesen Kummers das neue Schöne nicht vergessen oder übersehe. Das passierte mir Anfangs öfters. Habe vor lauter Tränen nicht klar sehen können was da noch alles rund herum passiert. Darum nahm ich mir vor, dass das Weihnachtsfest was besonderes werden soll. Das ist dann auch DAS Fest an das wir uns noch ewig erinnern werden. Ich hoffe, dass ich noch in vielen Jahren, so mind. 60 Jahren, das wäre ehr schön, hier oder anderswo sitze und an das Jahr 2019 denke. Wo ich mit meinen zwei Männern das erste Mal von vielen Erlebnissen feierten und ich dann nur grinse und schmunzle. Ich hab da nämlich jetzt schon so ein Kribbeln. Das sagte mir, dass da noch Vieles kommt an tränen- wie auch freudenreich. Ich bin bereit, her damit.

Mag euch ziemlich sehr,

Eure,

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