Das böse Wort Kooperation vs. die Realität.

Werbung, Ad, Anzeige, bezahlte Kooperation und was sonst noch so herumschwirrt. Lesen will es keiner und doch sind irgendwie alle gierig nach Rabattcodes und wollen die neuesten Trends bei unserem sogenannten Lieblings’Influencer‘ sehen. Nur damit wir den 20sten Cardigan im Schrank hängen haben und nach nicht mal einem Jahr wieder wegschmeißen. Seid ehrlich, wer fühlt sich nun ertappt? Ich definitiv.

You are what you share.

– Charles Leadbeater –

Schon gefühlt ewig wurmt es mich in meiner Magengrube. Sehr. Nein, eher extrem. Social Media ist eine tolle Plattform, keine Frage. Ohne die würden hier nun keine Worte stehen und ich würde wahrscheinlich als Grafikerin oder auch als Archäologin oder gar was ganz anderes arbeiten. So sollte es offenbar mein Weg sein, täglich neue Werke auf Papier, digital oder auf Wänden und Leinwänden zu verewigen. Mein Herz freut sich jedes Mal aufs Neue, wenn ich mir genau das bewusst mache. Genau aus dem Grund war mir von Anbeginn Instagram eine riesige Hilfe um meine Kunst, anderes kann ich es nicht formulieren, unter die Leute zu bringen. Kontinuierlich kamen immer mehr Personen auf meine Seite und erfreuten sich meiner Leidenschaft. Womit ich auch mein Leben finanziere, erhalte, erlebe. Sucht es euch aus, aber ja ich produziere Kunst und verkaufe diese. Kein Geheimnis. Zumindest mache ich daraus kein Geheimnis, weil es ein Fakt ist.

Mich wurmen zu diesem Thema einige Punkte. Gut, sagen wir wie ich es wirklich empfinde: Mir geht es aufn Arsch. Bin ich froh, dass mein Mr Sunshine, noch nicht alles lesen kann. Puh.

Seit Jahren, und ich mache das nun doch schon etwas knapp über 6 Jahre. Anfangs waren die sogenannten Instagram Stars nicht wirklich präsent. Heutzutage ist es eine große Seltenheit, wenn man keinen Account auf diese Plattform betreibt. Für mich ist es ein treiben. Ab und an fühle ich mich getrieben eine Story machen zu müssen, damit ich ’sichtbar‘ bin und auch Menschen mein Profil besuchen. Ich habe oftmals in Intervallen so Phasen wo ich mich zunehmend selbst so unter Druck setze und mich regelrecht zwinge zu posten. Froh bin ich, dass ich endlich von dem Trieb runter bin dass ich mir Gedanken mache, warum mein Bild kaum jemanden gefällt. Ja, es gab viele Momente und Stunden, sogar Tage wo ich mich geärgert habe und es mich nervte. Und dann kam einmal so ein Lichtblick der mir klar machte, hey bitte, es ist das Internet. Beeinflussen kann ich es nicht, doch was ich weiß und wo ich mir bewusst bin, mein Tun und meine Werke werden gemocht und ich würde auch sagen auch geliebt. Was Wiederrum nicht mit Werbung im Einklang steht. Mache ich selbst, so Produkte und ich. Ihr wisst schon, grinsend in Kamera ‚Hey Friends‘ kreischen und das drölftausendste Haarshampoo in die Kamera halten, ich muss schmunzeln bei dieser Vorstellung. Und wow, bevor nun jemand die Hand hebt und ruft:

‚Hast du etwa nicht Werbung für Haarfarbe gemacht?‘

Richtig habe ich, und für einen Koffer, den lieben ich ziemlich sehr, just sayin it. Oh und für eine Kosmetikfirma kommt leider auch noch ein Post, aber, aber, aber… ich könnte nun lustig sein und meinen, ich war jung und brauchte das Geld. Tatsächlich habe ich nur für einen Post Geld bekommen und selbst das überforderte mich maßlos. Der Koffer war ein Tauschhandel, Ware gegen Werbung und die Kosmetik, von der bin ich mittlerweile abhängig und mag ich auch. Mir ist durchaus bewusst, dass man gewisse Flocken wie:

  • Ich mache nur Werbung wenn ich wirklich, wirklich selbst davon überzeugt bin…
  • Prinzipiell mache ich das nur für euch…
  • Ich würde es nicht empfehlen, hätte ich es nicht selbst ausprobiert…
  • Ich denke nicht nur an mich, ich habe auch einen Rabattcode…

… ich könnte länger so weiterschreiben. Versteht mich nicht falsch, ich greife hier niemanden an, schreibe noch immer über mich selbst. Doch würde ich das in die Kamera quatschen wäre es so absurd und umauthentisch, dass ich wahrscheinlich mitten im Satz laut zum Lachen anfangen müsste. Es passt einfach nicht. Anfangs dachte ich mir, als ich da Anfragen zu Kooperationen bekam, ja voll cool. Wollte es auch ausprobieren, wusste ja nicht wie sich das anfühlen würde. Wenn nun wer mich als verrückt erklärt, hat er recht, bin ich auch. Allerdings kann ich mich einfach nicht als eine typische Influencerin bezeichnen, bin da eher nicht auf der Mainstreamwelle sondern eher auf der Alternativen-Aussenseiter-Welle unterwegs. Ich bewundere jeden Einzelnen dafür, Hauls zu machen, Produkte zu bewerben usw. Ich bin dafür einfach nicht geboren. Auf Grund dessen gibt es ja auch die Menschen die das können und mit Herzblut machen.

Fünfzig Prozent bei der Werbung sind immer rausgeworfen. Man weiß aber nicht, welche Hälfte das ist.

– Henry Ford –

Marketing und Werbung sind essentiell vor allem für mich. Würden da nicht ein paar Mamas oder Influenzier sein, mit denen ich schon mehrmals oder auch schon sehr lange Kooperationen mache. Tatsächlich mögen es einige nicht, doch das bringt mir mehr als würde ich einen Flyer drucken lassen und den in Umlauf bringen.

Einmal habe ich zu diesem Thema eine sehr lange und auch recht aufgebrachte Nachricht bekommen. Diese Person empfand es als sehr ungerecht, dass Menschen die scheinbar im Luxus und Überfluss wegen besagter Social Media Plattformen leben würden auch noch ein Bild von mir geschenkt bekommen. Ein quasi ’normaler‘ Mensch bekommt das nicht. Da saß ich nur und starrte diese Nachricht an. War eher wild aufgewühlt und nahm es mir sehr zu Herzen und dachte lange darüber nach. Ich konnte das alles auch verstehen. Manchmal denke ich mir auch, dass so ein paar Dinge gratis auch ganz nett wären. Wir haben aber schon rausgefunden, dass es nicht zu mir passt. Unser letzter Hotelaufenthalt war selbstbezahlt, nicht mit gehobener Augenbraue wackeln. Man verliert oftmals einfach die Übersicht und sieht nicht was wirklich Sache ist. Mich haben die Videos, die wir gedreht haben, und auch die Fotos sehr gestresst. Ich stehe in Bewunderung all Jenner die jeden Tag nix anderes machen. Mein Nervenkostüm ist da noch etwas in Arbeit. Zumal ich ja noch meine eigentliche Tätigkeit habe und alles auf einmal machen geht zwar, nur ist alles eher halb als ganz.

Um zurück zu den geschenkten Portraits zu kommen, ja auch ich brauche Werbung. Sicher versuche ich die Kooperationen eher gering zu halten, schließlich kann ich nicht 5 Zusammenarbeiten gleichzeitig raushauen. Da würde die Anfragedauer eher in Venustagen (1 Venustag = 109 Erdentage) ablaufen. Doch zahle ich im Prinzip auch dafür. Ist auch meine Zeit die ich darin reinstecke und nebenbei mache. Glaubt mir, ich hatte auch schon Kooperationen wo es nicht so rosig ablief wie ausgemacht und gedacht. Sagen wir so, es war schon alles dabei und ich könnte ein kleines Büchlein füllen. Da war ich auch eher mehr enttäuscht und verstand nicht warum zB. mein Logo nicht gewürdigt oder ein Portrait nicht mal gezeigt wird. Möglicherweise liegt es daran, dass wir alle ein wenig viel im Überfluss leben, glaubt mir ich gehöre auch dazu. Bin sicher weit vorne dabei, wenn ich nur in meinen Vorraum luge, aber das ist wieder ein anderes Thema. Gelernt habe ich zum Glück viel durch einige Ereignisse. Mit Kooperationen bin ich sehr vorsichtig geworden und überlege es mir lieber dreimal ob der wenige auch zu meiner Zielgruppe passt. Gehört schließlich auch dazu, was bringt es mir wenn ein männliches Fitnessmodel für meine Arbeit wirbt, obwohl 85% meiner Follower Frauen bzw Mütter sind. Gut würde vielleicht schmachtende Blicke bringen, allerdings nicht für mich.

Werbung ist der Versuch, das Denkvermögen des Menschen so lange außer Takt zu setzen, bis er genügend Geld ausgegeben hat.

– Ambrose Gwinett Bierce –

Ich fasse zusammen. Habe nun etwas ausgeholt und bin abgeschweift. Labbern tu ich ja bekanntlich für mein Leben gerne und auch viel, doch ich komme immer wieder an meine Grenze wo ich mir selbst sage, hier fängt mein Privatleben an und auch genau hier endet mein Instagram-Ich. Zwar bin ich im realen Leben gleich wie in den Stories, das schreibe ich nur, weil es mir immer wieder gesagt wird und ich darauf trocken antworte, warum soll ich anders sein? Sollte dieser Punkt jemals eintreten, dann muss ich mir eine andere Arbeit suchen, weil genau dieser Weg der falsche ist. Ich bin der großen Überzeugung, dass man immer man selbst bleiben darf. Das Ziel verfolge ich. Was nun eigene Kooperationen mit Firmen nicht ausschließen wird oder soll. Doch es wird nicht zu meinem täglich Brot. Das ist mal fix. Ich hoffe sehr, ihr könnt mein Tun und Handeln und auch meine Ansichten besser verstehen. Ich bleibe Künstlerin oder auch Grafikerin. Irgendwas zwischen Farbflecken und digitalen Hirnergüssen. Wenn mich dann die Wut packt, freue ich mich mit euch meine Beweggründe und Gedanken zu teilen und das ist doch eine schöne und tolle Erkenntnis.

Darum sage ich danke fürs Lesen und Schmunzeln und ihr wisst…

Mag euch ziemlich gern,

Eure,

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