Die Süße des Lebens oder einfach nur Ich als Diabetikerin.

Diabetes mellitus Typ 1. Eine Autoimmunerkrankung der sonderbaren Sorte. Quasi eine Volkskrankheit und ich bin eine davon und das nun fast schon seit 26 Jahren. Zackbboom und es war da.

‚Wenn das Herz schneller schlägt, alles zum Kribbeln beginnt, der Kopf aussetzt, ist das Liebe? Nein, mit Sicherheit ein Hypo!‘

Was am wichtigsten zu unterscheiden ist, dass es zwei Typen von Diabetes mellitus gibt. Typ 1 und Typ 2. Ich gehöre zu den Ersten. Hier ist es so, dass die Bauchspeicheldrüse wild faul ist und nur so im Körper herumhängt und nicht gewillt ist etwas zu tun. Als Kind meinte ich zu meiner Mama öfters:

‚Du Mama, wieso schneiden wir meine Bauchspeicheldrüse nicht raus? Die macht ja sowieso nichts mehr, ist völlig umsonst!‘

Vielleicht hab ich sie als überflüssiges Zusatzgewicht gesehen, fragt mich nicht wie ich auf solch Ideen kam. Fakt ist, die wurde natürlich nicht rausgeschnitten, ist noch dort wo sie hin soll. Allerdings eben funktioniert sie nicht und darum habe ich eine Insulinpumpe und ein CGM, steht für kontinuierliche Glukosemessung, klingt doch voll nice oder? Ich habe im Oberarm einen Sensor der rundum die Uhr meinen Blutzucker misst. Ich erspare mir somit täglich in den Finger zu picken und das find eich mega. Okay, anfangs fand ich den Sensor Überhaut nicht cool, musste eine gewisse Kontrolle und Vertrauen an ein Gerät abgeben. Es brauchte Monate bis ich damit klar kam. Mittlerweile sind wir ziemlich dick miteinander.

Hypoglykämie
(griech. hypo = unter)
zu niedriger Blutzucker

Hyperglykämie
(griech. hyper = über)
zu hoher Blutzucker

‚Was macht diese Erkrankung mit dir?‘

Vieles, sehr vieles, aber prinzipiell sage ich immer, dass ich es nicht als Krankheit sehe. Es ist schon so lange ein Teil von mir. Vielleicht ist das auch gut, dass ich es schon in so jungen Jahren, ich war immerhin 3 Jahre jung, bekommen habe, ich kenne es nicht anders. Allerdings gibt es auch viele Situationen an die ich mich nie gewöhnen werde.

Wenn die Laune von jetzt auf gleich umschlägt.

Genau da fängt mein Alltag an und gewisse Stimmungsschwankungen. Die sind nicht immer heftig doch sagen wir so, sie kommen meist eher unangebracht. Da kann es schon sein, dass mir so wahnsinnig schlecht ist, gefolgt von Kopfschmerzen, Schwindel, oh und die Sterne, die Sterne sind ein Highlight, nicht. Dann gibt es noch ein Kribbeln um den Mund herum, was zur Folge hat, dass ich mir dann eher schwer tue beim Sprechen, man kann den Anschein haben, ich sei betrunken. Das Kribbeln in den Fingern oder ein generelles Zucken der Gliedmaßen kann auch auftreten. Allerdings treten diese Beispiele nicht alle gesammelt auf, meist ein bis drei gemeinsam. Nach einer Unterzuckerung brauche ich immer eine Zeit zur Erholung. Auch ein zu hoher Blutzucker kann meinen Körper leicht ausknocken. Blutzuckerschwankungen im allgemeinen strengen den Körper immens an. Was oft zur Folge hat, dass meine Arbeit dann liegen bleibt und es ewig lange dauert, dass ich fertig werde. Ich habe dann ein schlechtes Gefühl, weil ich auf Grund meines Zustandes nicht vernünftig und effektiv Arbeiten kann. Es ärgert und nervt mich dann und ja genau dann, verfluche ich meine Diabetes. Nur was hilft das schon? Genau nichts, absolut gar nichts. Ich besinne mich wieder auf mein Wohlbefinden und versuche den aufkommenden Stress zu reduzieren, weil genau der auch zusätzlich Auswirkungen auf den Blutzucker haben kann. Ich sage immer, es ist eine hochsensible emotional beeinflusste Krankheit. Da hilft manchmal nur Ruhe geben, für mich nicht immer einfach.

‚Wenn der Körper sagt: „Schließ‘ die Augen, komm‘ zur Ruh“ und das Messgerät: „Kühlschrank auf, lang‘ zu.“‘

Aussagen die einige kennen werden und ich nicht mehr hören kann:

  • Ach, das haben sicher mehrere in deiner Familie!

Nein, also absolut nicht. Bin das einzige Exemplar mit diesem zuckersüßen Wegbegleiter. Diabetes mellitus Typ 1 liegt nicht nur in den Genen, hier hängen eine Vielzahl an Faktoren mit drin. Bei mir kam das Ganze aus heiterem Himmel und niemand konnte sich erklären warum und wieso, es war auf einmal da und ist gekommen um zu bleiben. Mein Mr Sunshine hatte den Segen es nicht zu bekommen und dafür bin ich wohl ewig dankbar.

  • Du Arme, darfst du das überhaupt Essen?

Ich ernähre mich von Wasser und Brot. Jetzt ist es raus und davon habe ich auch mein süßes kleines Bäuchlein. Nein, also ich generell darf ich alles Essen und sehe mich keineswegs als arm. Ab und an gibt es Lebensmittel die vielleicht nicht von Vorteil sind wie zB. chinesisches Essen und deren Saucen, die sind ziemlich wild gezuckert und lassen den Blutzucker ein wenig verrückt spielen oder bei Alkohol, speziell bei Mischgetränken ist es besser vorsichtig zu sein oder sie gar weg zu lassen. Doch im Großen und Ganzen esse ich alles, mit Bedacht. Funfact, mit fast 7 Jahren aß ich das erste Mal Gummibärchen. Durch ein Krankenhauswechsel und Umstellung meiner Therapie durfte ich die zum ersten Mal genießen, und ja das tat ich. 12 Stück und die reihte ich vor mir auf und einer nach dem anderen wurde mit größter Freude verspeist.

‚Reicht es nicht schon was du da in dich rein gestopft hast? Davon hätte sich ein ganzes Dorf ernähren können!‘

  • Ist das ansteckend?

Ja, wenn ich jemanden anhuste ist es um denjenigen geschehen! Was soll ich nur sagen? In der Volksschule habe ich einiges erlebt. Kinder können da wirklich recht kreativ und auch gemein werden. Der Verdacht durch eine Berührung auch Diabetes zu bekommen lag oft nahe und nein, es handelt sich um eine Stoffwechselkrankheit und ist nicht übertragbar.

  • Haben sie gefährliches Gut dabei?

Am Flughafen fühle ich mich manchmal wirklich wie in einem Actionfilm. Obwohl es mit den Jahren schon besser wurde und auch mein Insulinzubehör schon gängiger und bekannter ist, ist es selten eine interessante Situation wenn man mitkommen muss, weil da was sprengstoffartiges im Handgepäck sich befinden könnte. Zugegebenermaßen bin ich jedes Mal aufs Neue nervös beim Sicherheitscheck. Dass sich nichts gravierendes in meinem Koffer befindet weiß ich ja, doch ich mag die Kontrollen einfach nicht.

‚Sind das Drogen in ihrer Tasche?‘

  • Was ist das für Apparat?

Damit werde ich kontrolliert, bin nämlich auf Bewährung! Manchmal fallen mir wirklich doofe Antworten ein. Doch wenn man oft komische Blicke oder Fragen zur Insulinpumpe oder Blutzuckersensor bekommt ist mein Blick auch fragend. Ich persönlich merke die Gerätschaften kaum mehr, sind ja allgegenwärtig. Ich schlafe auch damit, natürlich und nein, das Teil merke ich nicht.

‚Ich liebe den Geruch von Insulin sehr… nicht‘

  • Tut das weh?

Nicht immer. Sporadisch kann es etwas weh tun, speziell wenn man an einer Luftmatratze drausbringt und blöderweise hängen bleibt mit dem Schlauch und die Nadel rausreißt, ja das tut wirklich weh. Es kann aber auch ungut sein, wenn ich einen neuen Katheter setze und einen Nerv treffe, zum Beispiel, dann kann es etwas brennen. Ist lediglich unangenehm. Was ich aber absolut nicht ausstehen kann und mich nach so vielen Jahren noch immer nicht gewöhnt habe, ist das Stechen. Ich hasse es regelrecht. Auch mit Setzhife, es ist und bleibt unangenehm. Immerhin schießt eine Nadel in die Haut. Da zwicke ich noch immer die Augen zusammen. Muss ich noch mehr dazu sagen?

‚Oh Himmel, du siehst jeden Tag Blut, ist ja krass!‘

  • Ist es leicht für den Partner damit umzugehen?

Kitschig gesagt würde ich behaupten, wenn es der Richtige ist und einen Funken an Verstand hat ist das auch mit der Zeit normal für ihn. Ich meine entweder man nimmt einen so wie man ist oder nicht. Mal ganz nüchtern betrachtet. Bis jetzt hab ich diesbezüglich nur Positives erlebt. Mein Liebster unterstützt mich hierbei sehr und hat großes Verständnis und merkt sogar an meiner Gestik oder an der Gesichtsfarbe ob sich ein Hypo anbahnt. Er tut mir aber manchmal leid, weil ich öfters nicht gar ich bin wenn ich einen niedrigen Blutzuckerwert habe. Natürlich ist es anfangs sicher eher schockierend wenn man solch Situationen miterlebt und ich gefühlt die halbe Süßigkeitenlade aufesse. Einen guten Magen mitzubringen ist sicher von Vorteil. Doch was ganz oben steht ist Kommunikation. Meines Erachtens eines der wichtigsten Dinge für so eine Situation, reden und erklären was da gerade alles ab geht.

‚Oh cool, du hast ja Taubenzucker dabei, darf ich auch was haben?‘

Was mich diese Erkrankung aber gelehrt hat oder immer wieder lehrt, dass ich meinen Körper ziemlich genau kenne. Auch wenn ich ab und an etwas schlecht hinhöre, ja kommt vor. Doch eben es ist so eine sensible Geschichte mit dem Diabetes. Ich würde sagen, ich werde jeden Tag aufs Neue geprüft, mache ich etwas, dass ihm nicht gut tut, zeigt er es mir deutlich und das meist mit einem Hypo oder Hyper und dann zeigt er mir den stinke Finger. Finde ich das schlimm? Ich würde lügen würde ich nun NEIN schreiben, doch ich lebe damit und akzeptiert habe ich es schon lange, zum Glück und dafür bin ich dankbar. Ich führe ein gutes und auch schönes Leben. Manchmal mit eindeutigen Höhen und Tiefen. Doch nur geradlinig wäre auch langweilig oder?

Vergesst nicht, an die die mit dabei sind, ihr seid nicht alleine, fühle mit euch, es gibt weitaus Schlimmeres, wie ich immer sage! Und an alle anderen, wer hat nun Blut gesehen?

Mag euch ziemlich sehr,

Eure,

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2 comments

  1. Hallo Anna,
    durfte vor kurzem einen Entwurf von dir unter die Haut stechen und da ich über diesen Kundschaft erfahren habe, dass du Tattoovorlagen generell anbietest musste ich mit dir in Kontakt treten.
    Meine Frage; ich würde gerne deine Dienste in unserem Studio anbieten, könntest du dir so etwas vorstellen!? Ich schicke dir einmal den link unseres Studios und wenn du Interesse hättest, müssten wir dann eh noch genauer schreiben/telefonieren.
    Meine persönliche Seite heißt http://www.angelikagross.at, sollte wieder mal ein wenig bearbeitet werden…:-) und die unseres Studio heißt http://www.buntesplatzl.at Ich freu mich von dir zu hören/lesen, Ganz Liebe Grüße Angie

    1. Liebe Angie 😍
      Oh wow, ich muss sagen, ich bin etwas sprachlos und gerührt sowie geehrt!!
      Ich freue mich wild über deine Worte und gerne melde ich mich bei dir, via Mail oder WhatsApp, was ist dir lieber? 😊
      Ich wünsche dir einen herrlichen Tag und schicke dir liebste Grüße,
      Anna 💞

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