Los(t) Angeles und andere wirre Gedanke

Nun ja, einige werden es kennen und mir mit folgender Geschichte nickend zustimmen und viele werden eher verständnislos meine Sinne hinterfragen. Tatsache ist, ja ich bin verrückt, doch bin ich mir bei meinem Bauchgefühl zu 99,9% immer sicher. Den 0,01% lassen wir solidarisch mal so alleine stehen.

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Fotos von Sabrina Stummer von freilichtmomente

Unter gemischten Gefühlen tippe ich meine Gedanken und Wortfetzen zusammen. Da mich diese Thema einerseits erleichtert und auch gleichzeitig sehr traurig macht. Allerdings muss ich da mehr erzählen. Viel mehr. Begonnen hat alles 2011 als endlich die Matura vorbei war und wir so voller Tatendrang das Schulgebäude verließen. So viel hatten wir vor und wollten wir umsetzen. Meine beste Freundin, Magi, ich liebe sie schon seit nun 13 Jahren, hatte da so einen Plan. Sie wollte nach Amerika als Au-Pair gehen. Das Ausmaß, dass sie dann auch nicht nur ein Jahr bleiben würde sondern gleich für immer, war mir zu dieser Zeit nicht bewusst. Ich fand es cool und aufregend und spannend. Abenteuerlustig war ihr zweiter Vorname. So vergingen viele Jahre die wir schon recht romantisch mit Videotelefonie und einigen Besuchen, sie in unserer Heimat, verbrachten. Irgendwie wehrte ich mich immer dagegen sie in LA zu besuchen. Keine Ahnung wieso. Es kam andauernd etwas dazwischen. Leben eben.

‚Vertraue dir selbst. Dein Bauchgefühl ist der beste Kompass der Welt. Er wird dir stets den richtigen Weg zeigen.‘

Die Zeit verstrich, fast schon wie im Flug, süßes Wortspiel wenn man bedenkt, dass es hier um Reisen geht. Ich wagte nie den Schritt endlich mir ein Herz zu fassen und in ihre neue Heimat zu fliegen. Voriges Jahr kam dann so eine spontane Blitzidee und ich fand, dass es ziemlich grenzgenial wäre sie nun endlich zu Besuchen, schließlich ist sie auch Mr Sunshines Taufpatin und sowieso welches Kind findet fliegen NICHT toll?

Wir waren gerade im genialsten Familienhotel das man sich vorstellen kann und da saß ich, eingemummelt in eine Decke in der Lesehöhle und buchte einen Flug. Zwei Plätze. Vorreserviert. Nonstop. Im Juni würden wir fliegen. Ich weinte, vor Glück, in dem Moment konnte ich mir nichts Schöneres vorstellen als zu dieser Zeit bei unserer Magi zu sein. Die Neuigkeiten über unsere große Reise versprühte auch bei meinem kleinen Mann große leuchtende Augen, wobei man nicht vergessen darf, er war noch nicht ganz 5 Jahre jung und ich hätte ihm auch erzählen können, dass wir ein eis essen gehen und er hätte gestrahlt. Also zusammengefasst er freute sich wohl am meisten, weil er den Namen seiner ‚Tante‘, für ihn es es seine Tante wenn auch rein platonisch gesehen, gehört hat.

Unser Urlaub könnte nur abartig supertoll werden. So dachten wir. Eine ganze Weile verging. Die Freude auf das monatelang entfernte Abenteuer erweckte Aufregung und Heiterkeit in mir. Auch jeder der davon erfuhr war hellauf begeistert. Doch schleichend keimte phasenweise so eine Art Befürchtung ein. Wie ein Virus der stetig vor sich hin keimt und sich verbreitet. Kontinuierlich nahm es zu. Umso näher der 2. Juni rückte, desto komischer wurde es in mir. Ich bildete mir ein, dass es Nervosität sei. Ich meine, ich war schon in New York, sogar ganz alleine und ich fand es geil, so richtig und nervös war ich trotzdem. Doch das hier war anders. Ich kannte es bereits. Es gab im Jahr 2017 eine Londonreise, die war von schön meilenweit entfernt. Einzelheiten würden eher zur Übelkeit anregen, doch ein gewisser Mr Sunshine war leicht kränklich und wurde in London richtig wild krank. Es kam aus jeder Körperöffnung, wo was raus kommen kann, unschöne Tatsachen raus und ich erinnere mich noch wie zeitweise hilflos ich mir vorkam. Da hatte ich Angst und ich hatte Sorge. Sorge um mein Kind. Genau da hatte ich auch so ein Bauchgefühl und hörte nicht darauf. Mein 6ter Sinn quasi, ungelogen der hat wirklich was drauf wenn ich auf ihn höre. Bin ja manchmal so ein kleiner Sturrkopf und bilde mir ein, dass es auch so irgendwie schon gehen wird.

Mein Mamasinn alias 6ter Sinn meldete sich nun unerbittlich bei mir, schon Anfang des Jahres kroch da sowas in meinem Bauch herum und machte mir schon fast Schmerzen. Im Frühjahr wurde es immer mehr und dann kam der Tag wo ich einfach dem nachgeben musste und ich horchte. Rein in mein Inneres und überlegte. Mir war schon klar, dass es mit unserer Reise zu tun haben muss. Tagtäglich dachte ich auch an nichts anderes als an Los Angeles. Allemal fragte ich mich ob ich sicher sei. Zuerst konnte ich es prompt mit einem dicken JA beantworten und allmählich wurde mein inneres Stimmen immer leiser. Bis es ganz ruhig war und gefühlt nur den Kopf schüttelte. Es stimmte mich gleichzeitig traurig, denn ich wusste was kommen wird. Ich wollte es nur nicht laut aussprechen. Unter Tränen musste ich meine Magi anrufen. Ich brauchte die Gewissheit, dass auch sie es so spürt und ich sie nicht tieftraurig mit meiner Entscheidung machen würde.

‚Ich fürchte unsere Zeit in LA ist noch nicht gekommen…‘

Tränen liefen mir übers Gesicht und zu gleich lachte ich, weil so ein riesiger Brocken an Last von mir fiel und ich musste feststellen, dass ich den richtigen Entschluss gefasst habe. Auch wenn kontinuierlich meine LA-Luftschlösser verschwanden. Ich malte mir alles aus, was wir drei alles erleben würden. Acai Bowl futtern, in Venice durch die coolen Läden schlendern oder einfach faul am Strand liegen. Eigentlich hatte ich schon einen roten Badeanzug und machte Zuhause darin schon Baywatch-Moves. An diesem Abend schlief ich unter Tränen ein.

Am nächsten Morgen hatte ich trotz allem eine große Erkenntnis, was mich so traurig gemacht hat. Es ging mir nicht um die Stadt sondern um die Person die wir besucht hätten. Das wäre so kitschig gewissen, hätte sie nicht so viel zu Arbeiten und auch selbst nicht so ein komisches Gefühl gehabt, ja dann, dann wäre es ein tolles Urlaub geworden. So bin ich meinem Bauchgefühl sehr dankbar. Magi hatte sich schon den Kopf zerbrochen wie wir alles auf die reihe bekommen, wir sind beide so kreative Köpfe die manchmal in einem eigenen Universum herumschwirren. Fakt ist, wir fliegen nicht. Wir werden nicht Los(t) in Angeles sein.

‚Aufgeschoben ist nicht aufgehoben!‘

Ein selten dämliches Sprichwort, dennoch trifft es gerade mehr als zu. Und auch wenn mein Herz noch immer ein klein wenig schwer ist, bin ich erleichtert, sowas von. Ich lasse den Punkt mal aus, dass ich nicht einmal ein 10tel des Ticketpreises zurück bekommen habe, als die Dame mir das am Telefon erklärte wie viel ich erstattet bekomme, musste ich leicht lachen. Trotzdem allem, verrückt bin ich, ja absolut. Ich habe keine unruhigen Nächte mehr deswegen und die waren öfters vorhanden. Was will ich nun mit diesem Post? Wer hört schon immer auf sein Bauchgefühl? Und ich spreche hier nicht von einem knurrenden Magen! Wer erinnert sich an das letzte Mal wo man wirklich nicht und so gar nicht auf den Kopf gehört hat? Einfach machen, nicht weil es Sinn macht, nein weil das Gefühl es sagt und alle um einen herum es nicht verstehen, doch die Entscheidung tut einem gut. Mag es noch so Gaga sein. Die Hauptsache ist ja, dass es einem selbst gut geht. Hinter mir die Sintflut, sag ich ganz gerne. Also, egal ob großes Bauch oder kleiner Bauch, das ist ganz egal, aufs Innere kommt es an. Horcht mal rein, der kann schon was! In diesem Sinne…

Mag euch ziemlich gern,

Eure,

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4 comments

  1. Liebe Anna,
    ich danke dir sehr für diesen Beitrag!
    Auch ich stehe gerade an einem Punkt, wo ich merke dass mir eine gewisse Sache Bauchschmerzen bereitet. Man versucht erst mal es auszublenden, weil eigentlich möchte man es ja gar nicht beachten… so nach dem Motto: Einfach ignorieren, dann wird das wieder!
    Aber dann werden die Bauchschmerzen stärker und ja- das was ich jetzt gebraucht habe ist das hier!
    Ein kleiner Stupser, der mir zeigt: hör auf dein Bauchgefühl! Denn wie du sagst, der Bauch, der kann schon was 🙂

    Vielen Dank dafür!

    1. Oh liebe Sarah,
      Ich danke DIR für deinen Kommentar und auch deinen Mut!
      Es freut mich wahnsinnig, dass ich dir einen kleinen positiven Stupser geben konnte.
      Fühl dich gedrückt ❤️

  2. Also das mit dem Bauchgefühl ist echt unser wichtigstes Instrument für alle Entscheidungen. So auch meine Erfahrungen. Bin ich nicht danach gegangen waren es Fehlentscheidungen. Es passiert mir aber leider immer noch ab und zu, dass ich mich zu anderen Entscheidungen verführen lasse.
    Machen wir in diesem Sinne weiter 👏🐝 liebe Grüße 🐝 Sabine 🐝

    1. Liebe Sabine,

      Dein Kommentar freut mich irrsinnig und du hast so recht!
      Wir alle sollten immer oder viel öfters auf das Bauchgefühl hören!

      Ich drück dich und viele liebe Grüße,
      Anna 💞

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