Von Körperliebe über Reinigungen zur Vernunft.

Eigentlich hätte ich nun Tag 10 meiner Reinigung, wo es nur Rohkost gibt. Hasenfutter deLuxe. Gemüse und Obst. Doch in meinem Bauch schwimmt noch ein veganes Eis herum und wie finde ich das? Beruhigend und bereitet mir ein wohliges Grinsen. Läuft bei mir oder eher verdaut?

… I’m not a supermodel from a magazine,
I’m okay with not being perfect,
‚Cause that’s perfect to me…

Anne-Marie – Perfect to me

Ich muss nun weiter ausholen. Mein Körper war schon immer eher von der Kategorie kleiner Hulk. Ich kann mich noch erinnern als ich mich damals an der Kunstschule zu einem Kickboxkurs angemeldet hatte. Einer aus meiner Klasse hat davon Wind bekommen und meinte leicht entsetzt ‚Wie, SIE geht zum Kickboxen?‘. Nehme es ihm nicht übel, doch brachte es mich damals schon zum Schmunzeln, denn die Reaktion darauf war nur ‚Ey, Anna ist da wahnsinnig gut und hat einen Schlag drauf…‘. Man sollte sich eben nie nur von der Optik täuschen lassen, sondern eher hinein sehen was unter der Haut sich so verbirgt. Darum ist mein Erzfeind auch der supertolle BMI, welcher Mensch hat den nur mal erfunden?! Würde es nach dem gehen dürfte ich nur noch Mikroportionen verspeisen und ein wildes Diätprogramm durchlaufen müssen. Schon voriges Jahr hatte ich es schwarz auf weiß vor mir liegen, dass das reine Körpergewicht absolut wenig über uns und unsere inneren Werte aussagt. Bevor ich eine krasse Stoffwechselkur angegangen bin, mit komplett ohne Kohlenhydrate, kein Fett und keinen Zucker und das Ganze dann 60 Tage durchzog, stellte ich mich so einer Körperanalyse. Himmel, war ich nervös. Zu gleich danach auch sehr erstaunt was der so ausgespuckt hat und mir eine andere Sicht auf meine sogenannten ‚Problemstellen‘ gab. Ich wusste schon immer, dass ich ziemlich stark und kraftvoll bin. Ab und an braucht es aber was Schriftliches damit unser Hirn etwas geschüttelt wird und wieder klar sehe kann.

Die besagte Kur war vorbei und meine Blutzuckerwerte steuerten bedauerlicherweise wieder eine kurvige Richtung an. Fiel mir anfangs nicht sonderlich auf oder es störte mich nicht so sehr. Ich denke es war eine Mischung aus beidem. Die Gewohnheit ist halt echt ein Miststück. Folglich summierten sich auch die Pfunde langsam aber sicher wieder an jeder Körperstelle und verbreiteten sich wie die Karnickel. Juckte mich nicht, hatte auch andere Sorgen als überflüssiges Gewicht. Ich kannte mich ja auch eher immer in Kleidergröße 38/40. Ein Figürchen von 34 würde bei mir auch eher skurril wirken. Trotzdem kam für mich dann zu Ostern ein Punkt wo eine Sache wesentlich nervig war. Meine Blutzuckerwerte. Die drehten eher Ehrenrunden von oben nach unten und bescherten mir Übelkeit und Heißhunger. Der Kreis schließt sich erneut und ich ärgerte mich total über meine anscheinend fehlende Disziplin. Da stand ich da und fragte mich…

‚Sag mal wie lange willst du so weiter machen?‘

Berechtigte Frage und auch eine verdammt gute. Spätestens da war mir bewusst, dass ich so nicht weiter machen will und kann. Viele Unterzuckerungen und Schwankungen machten mir das Leben und auch die Arbeit schwer. Meist kommt ja alles auf einmal, sonst wäre es auch langweilig, oder etwa nicht? Endlich begann ich gezielt nach, nennen wir es einfach mal Hilfsmitteln, zu suchen, die mich in meinem Vorhaben meinen Diabetes länger, und nicht nur für kurze Zeit, kontrollierter führen zu können. Videos und Bücher sowie Artikel benebelten meine Gedanken und ich musste alles Mal sortieren. Was immer wieder durchdrang, dass eine milchlose und auch fleischlose Ernährung, bitte ich bin keine Ärztin ich bin eine die einfach nach ihrem Bauchgefühl geht und gerne Neues ausprobiert, angeblich sehr positiv für Diabetes mellitus sein solle. Sprühe dann immer voller Tatendrang und bin ganz wild versessen das umzusetzen und das am Besten schon gestern anstatt sofort. Im Zuge dessen habe ich ein Buch angefangen zu lesen über chronische Krankheiten und einer besonderen Reinigung, die Kaninchenfutter-Reinigung. Klarerweise habe ich die sofort gestartet, auf was will ich nur warten, so mein Motto. Das genau dieses aber noch zu meinen Verhängnis wird, war mir da noch nicht bewusst. Ich fühlte mich toll und auch voller Energie. Die ersten Tage waren der Hammer. Die Mahlzeiten aus Salat oder kalten Suppen schmeckten mir und ich verspürte keinen Hunger, war satt, wobei ich ehrlich sein muss, ich esse auch einen Salatportion für eine Großfamilie. Dann kam der 6te Tag und da fing es erst richtig an. Die anfängliche Euphorie lichtete sich. Ich wurde immer müder, musste sogar Mittagsschläfchen einlegen, meist eine Dreiviertelstunde, vor allem weil ich sehr oft tagsüber einen niedrigen Blutzucker hatte und mich nur schwer davon erholen konnte. Auf die wilden Blähungen gehe ich mal nicht genau drauf ein, die ja die waren schlimm, insbesondere für mein Umfeld und ja das kann man in dem Zustand nicht kontrollieren, leider.

Ich verspürte ein schnelles Unwohlsein und wollte mir nicht eingestehen, dass es meinem Körper vielleicht doch nicht so gut ging wie ich es mir einredete. War sicher auch der großen Hoffnung, dass ich da nur ein paar Tage drüber muss und es besser wird, dann. Ja dann, dann kam schneller und härter als gedacht. Ein normaler Einkaufsbesuch im Supermarkt wurde dann zum Wendepunkt oder Verhängnis. Als ich völlig neben mir war und meinen Freund mitten im Laden anschnauzte und ich eigentlich nur was Essen hätte sollen, weil mein Blutzucker da im Keller war, trotz ausgeschaltener Insulinpumpe. Danach hatte ich ein intensives Schläfchen bitter nötig. Mit sorgenvoller Mine blickte mich, nach meinem Dornröschenschlaf, mein Liebster an und mir war klar, so kann ich das nicht mehr weiter machen. Das tut niemanden gut, vor allem mir. Ich bin ja ehrlich, ich machte mir da schon selbst Sorgen. Und doch wollte ich es einfach 28 Tage lang durchziehen, möglicherweise mir selbst beweisen, dass ich es locker schaffen kann.

Da haben wir es, schwarz mit rot und bescherte mir eher mehr Übelkeit als Heiterkeit.

Die Einsicht kam hart und schnell. In erster Linie, weil ich es doch leibhaftig erleben musste. Man ist ja auch stets selber für sein Wohlergeehen verantwortlich. So musste ich abwägen, weiter machen und tagtäglich mit Werten jenseits von Gut und Böse kämpfen oder die Reinigung zu diesem Zeitpunkt beenden. Letzteres sah ich als sinnvoll und auch am Allerbesten. Fraglos bin ich ein klein wenig traurig, weil ich es gefühlt nicht bis zum Ende durchziehen konnte. Hallo Ehrgeiz. Trotzdem freue ich mich über meine Entscheidung genau, weil es mir deutlich besser geht. Das nette Bauchgefühl war zu Besuch und hat mir seine Meinung gegeigt, ich feier es. Was nun nicht heißen soll, dass ich mich nicht gut ernähre, ich mache eher eine Mischung aus Gemüse und Obst inkl. Kohlenhydrate die mir auch Energie liefern. Das Thema mit den Milchprodukten, Eiern und Fleisch lasse ich noch immer weg. Ob es auch auf Dauer prima zu meinem Blutzucker beitragen kann, werde ich noch sehen. Knapp gesagt es läuft darauf hinaus, dass ich vegan werde, dieses böse Wort wird Gott sei Dank in unserer Gesellschaft immer besser angesehen, finde ich gut. Jeder sollte ohne Vorurteile das essen dürfen was er für sich als positiv empfindet. Ich bin gespannt auf meine Reise und was noch so kommen mag. Ganz neu ist es für mich nicht, immerhin war ich schon für ein Jahr lang vegan, tat prinzipiell sehr gut und aus welchen Gründen auch immer kam ich davon ab. Wo wir wieder bei der bescheuerten Gewohnheit wären. Dieses Kapitel bedarf noch nach einigen Seiten und deshalb werde ich euch hierbei am Laufenden halten. To be continued.

… mit all deinen Farben und deinen Narben, hintern den Mauern.
Ja ich seh‘ dich, lass dir nichts sagen.
Nein, lass dir nichts sagen.
Weißt du denn gar nicht,
wie schön du bist?…

Sarah Connor – Wie schön du bist

Und ging es nun wirklich nur um die Werte oder auch um das Gewicht? Eventuell war es ein schmaler Grad, wo ich erst am Ende drauf kam, dass es egal ist was ich mache, denn wenn ich vor dem Spiegel stehe, sieht mich da eine an, die ziemlich schön sein kann.

Mir ist fast schon schmerzlich bewusst, dass ich mit wiederkehrenden Zweifeleien nicht alleine bin und ich frage mich immer wieder, wieso sind wir Menschen so, dass wir meist so nach dem Äußeren gehen? Wird sich das noch irgendwann verändern? Womöglich auch so, dass man Dellen und Stellen die nicht dem Magerwahn entsprechen als schön und vollkommen ansehen können? Hier und da merkt man schon eine Kehrtwende und ich freue mich immer arg, wenn da eine Person sich so zeigt wie sie ist. Ob nun mit Rundungen, eher knochiger Statur oder einer Kraterlandschaft am Po. Wen hat es eigentlich zu jucken was da auf den Beinen los ist? Ja, auch ich ertappe mich hin und wieder dabei wo ich über meine Stellen streiche und mir ein Blitzgedanke kommt, dass das doch auch anders aussehen könnte. Könnte ja genau, es könnte, tut es aber nicht. Und? Lachen kann ich auch mit Dellen an den Beinen, Witze erzähle ich auch wildgestikulierend mit meinen kräftigen Ärmchen. Lieben kann ich sehr gut mit meinen Augen die schon einige Lachfalten vorweisen und wo ich weiß, die haben schon sehr schöne Momente sehen und erleben dürfen. Ein Kribbeln hab ich nicht nur im Bauch wenn ich Hunger habe, nein, auch dann wenn ich mich aus ganzem Herzen freue und liebe. Meine Falten und Streifen sind genau dann auch dort und? Genau die haben einen wundervollen kleinen Menschen beinhalten dürfen. Manchmal vergisst man das in Zeiten der Griesgrämigkeit und der Unzufriedenheit. Daran sollten wir uns alle erinnern. Wie schön jeder einzelne Mensch für sich ist, einzigartig und schön. Innen wie außen. Wir sind Individuen. Wäre jeder gleich schlank wäre es auch verdammt langweilig, also Liebe, Liebe, Liebe. Speziell für den eigenen Körper. Wir haben nur das eine Haus.

Ich mag euch ziemlich sehr,

Eure,

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